„Ausstieg“ den „orientierungslosen jungen Leuten“

Wie die Südwestpresse am 23.11. 2012 berichtete, „hat die Waiblinger Kriminalpolizei gemeinsam mit Angehörigen der Beratungs- und Interventionsgruppe gegen Rechtsextremismus (BIG Rex) des LKA im Rems-Murr-Kreis rund 60 Personen aufgesucht, die nach polizeilichen Erkenntnissen der rechten Szene zuzuordnen sind.“
Abgesehen davon, dass 60 Personen eine ganze Menge sind, die anzeigen, dass das rechte Personenpotential im Rems-Murr-Kreis größer ist als es bisweilen gerne behauptet wird; abgesehen davon, dass das Bild vom ‚Ein- und Ausstieg‘ in die rechte Szene fälschlicherweise suggeriert, Menschen könnten eine politische Einstellung eben so mal ablegen wie einen abgetragenen Wintermantel – im Artikel der Südwestpresse werden Neonazis massiv verharmlost. Wer schreibt von „orientierungslosen jungen Leuten“ und „in den Sog geratenen jungen Menschen“, verkennt, dass Menschen sich für eine politische Einstellung und damit verbundenes Verhalten entscheiden (können). Unbewusste Faktoren spielen sicherlich eine Rolle (wie Ich-Schwäche oder Autoritätsfixiertheit), aber Neonazis derart zu entpolitisieren und als Opfer äußerer Umstände zu deklarieren, ist realitätsfern und schadet der Arbeit gegen Rechts.

Quelle: Südwestpresse